Das Leben der anderen


Man ist nicht objektiv, wenn man zu einer „Minderheit“ gehört. Man kann vielleicht auch nicht klar denken, wenn man sich angegriffen fühlt. Wenn Menschen, die man gut kennt und schätzt, einfach so über einen Kamm geschoren werden, über sie gelacht und mit dem Finger auf sie gezeigt wird. Born in G.D.R. Das werde ich nie verhehlen. Es ist keine Auszeichnung, keine Errungenschaft, aber auch nichts, für was ich mich schäme.

Ich gebe zu, ich gerate in Verzückung, wenn ich im Kaufland „Tempolinsen“ oder „Bambina-Kokos“ entdecke. Ostalgisch? Vielleicht ein wenig. Weil es nicht so einfach war, über Nacht eine ganz neue Identität anzunehmen. Weil auf einmal alles falsch schien, was vorher kaum in Frage gestellt wurde. Wie auch, von einer unreifen 13-jährigen.

Ich bin heilfroh, das alles so gekommen ist, wie es ist, ich hätte niemals den Beruf lernen können, der mir heute soviel bedeutet und hätte weniges von dem, was mir heute selbstverständlich ist, erleben können. Trotzdem war es ein gewaltsamer Schubs, ein großer Stolperer in eine komplett neue Welt und viele haben diesen Schluckauf nie ganz wegstecken können.

Warum zeigt man dann jetzt mit Fingern auf Alte, die unpolitisch geworden sind, weil sie erfahren mußten, das Idealismus nichts zählt und die resigniert haben, bei aussterbenden Städten und Perspektivlosigkeit.

Warum zetert man, über die Doofheit der jungen Sachsen und Thüringer, weil dort die NPD Stimmen gekriegt hat. Natürlich ist das  besorgniserregend, aber müßte man sich nicht fragen WIESO?, Könnte es nicht ein ohnmächtiges Protestwählen sein, weil man sich alleingelassen fühlt und händeringend nach Sündenböcken sucht, weil man sich sein eigenes Scheitern nicht erklären kann?

Niemand sollte Rechts wählen, aber dieses erhabene „Dududu“ mit erhobenen Zeigefinger kotzt mich an. Alles hat zwei Seiten.

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opaomaOpa Siegfried 16.03.1924 – 04.08.2009

…wenn allerdings vorher ein „Junggesellinenabschied“ drohen sollte, wäre ich dann doch lieber für durchbrennen.

Im schönen Mai bin ich auf einen solchen eingeladen und weil ich weiter weg wohne, werde ich wohl auch nicht erwartet, fungiere also unter „Überraschungsgast“ oder so.

Da ich nun aber nicht vor Ort bin, habe ich auch wenig Einfluß auf die Veranstaltungsgestaltung und per Mail ist jeder Einspruch lahm.

Die holde Braut wünschte sich extra, (wir sind ja auch nicht mehr die Jüngsten-hust) einen unpeinlichen Abend. Leider ist dieser Wunsch von einigen Teilnehmerinnen als Ansporn gedeutet wurden, den Abend so peinlich wie möglich für das arme Kind ablaufen zu lassen.

Erste Vorschläge gefällig? Die Braut muß auf dem Rathausplatz einer gar nicht mal kleinen Stadt einen wehrlosen Passanten kidnappen und diesen zum Walzer nötigen. Als abgemilderte Version soll sie sich auf diesen Platz stellen und den Walzer auf einer Blockflöte darbringen. Mhmm bin ich zu uncool, zu spießig, zu schißert- das ich bei diesen Aussichten nicht restlos begeistert bin ? Klärt mich mal einer zur Sachlage „Bräuche zum Junggesellenabschied“ auf?

Wenn mich mal einer fragen würde, dann würde ich vorschlagen, das jeder sich einen besonderen Platz überlegt, der ihn mit der unter die Haube zu bringenden verbindet. Dort pilgern wir dann der Reihe nach hin und an jedem Platz wartet eine kleine Überraschung inklusive „Reise in die wilde Vorehevergangenheit“. Gerne auch mit Wein und Gesang und… Strippern-kicher.

heiratsberg© knipser5 PIXELIO

Ein neuer Monat und dann noch der Mai,  ist doch immer dazu angetan, etwas Neues anzufangen oder etwas eingeschlafenes wieder zu aktivieren.

Zum Beispiel anfangen, endlich wieder Haushaltsbuch zu führen und sich das ganze mit Ipod-Apps schönreden.

Oder mit Meditieren beginnen, das habe ich allerdings schon vor 3 Tagen und ich weiß noch nicht so recht, was ich davon halten soll, an anderer Stelle vielleicht mehr dazu.

Fakt ist jedenfalls, dass ich was tun muß, um ausgeglichener und zufriedener zu werden. Es geht nicht, das mich so vieles in meinem Leben so auslaugt und nicht zur Ruhe kommen läßt. Dass immer nur „die Anderen“ mit allem klarkommen und interessantere, aufregendere und sinnvollere Leben führen (dass das so ist, flüstert jedenfalls das Teufelchen auf meiner Schulter). Das unterdrückte Engelchen sollte mal laut schreien: „In deinem Leben spielst du die Hauptrolle, jawohl!“.

Krank werde ich dieses Jahr jedenfalls nicht noch einmal mehr, basta!

PS: Happy Birthday Bellisima!

Bilderstrecke von der Bergung der Archivalien in Köln

Hier ist zusammengestellt, wie man helfen kann (bevorzugt Bibliothekare, Archivare und Restauratoren)

alt

…werde auf meinen Chef hören und erstmal die Füße ruhig halten. Am Donnerstag war ich so hibbelig, dauernd las ich die Nachrichten vom Historischen Archiv Köln, fragte mich, ob ich nicht hinfahren soll, vielleicht was sortieren, irgendwas helfen. Die Zeit nasses Papier zu bergen, ist knapp. Wir haben offiziell Hilfe angeboten. Aber es ist gerade schwer, untätig da zu sitzen. Vernünftiger ist es schon, auf konkrete Anfragen zu warten, oder nicht? Er meinte, am Anfang da sind alle da..aber wenn es etwas verebbt ist und der Großteil der Arbeit getan werden muß, dann sind die ersten wieder weg. Also zweite Reihe, fühlt sich trotzdem falsch an.

Das da zwei Jungs verschüttet sind, ist grausam.

Ich möchte es aber auch schlimm finden dürfen, was da alles verloren gegangen ist. Die Erinnerung an Millionen von Menschen. Stille.

Um 14:00 Uhr ist das Historische Stadtarchiv in Köln in sich zusammengestürzt. Bis jetzt gibt es noch keine Klarheit darüber, wieviel Menschen vielleicht unter den Trümmern begraben sind. Das Stadtarchiv beherbergte Akten, Bücher und Archivalien der Stadt Köln seit 922.

buch

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